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06.11.2026

In Landaus Kläranlage hat die Zukunft schon begonnen

  • EWL und Forschungspartner gewinnen in europaweit einzigartigem Projekt wertvolle Erkenntnisse über Mikroplastik und weitere Schadstoffe
  • Erforscht wird unter anderem, wie sich Partikel besser messen und aus dem Abwasser entfernen lassen
  • Daten und Erkenntnisse aus Landau helfen auch anderen Kläranlagen im In- und Ausland

Was für viele Kläranlagen in naher Zukunft an Bedeutung gewinnen wird, ist in Landau bereits seit Jahren praktisch in der Erprobung: Wie lässt sich Mikroplastik zuverlässig messen und möglichst weitgehend aus dem Abwasser entfernen? Zur Erforschung dieser Frage stellt der Entsorgungs- und Wirtschaftsbetrieb Landau (EWL) die Kläranlage Landau-Mörlheim als Praxislabor zur Verfügung. Gemeinsam mit der gemeinnützigen Wasser 3.0 gGmbH aus Karlsruhe und dem Unternehmen Van Remmen UV Technology aus den Niederlanden werden dort unter realen Bedingungen Mess- und Reinigungsverfahren erprobt. Seit 2021 wird der Ablauf der Kläranlage mindestens zweimal im Monat auf Mikroplastik untersucht. So ist in Landau eine umfangreiche Datenbasis entstanden, von der auch andere Kläranlagen europaweit profitieren.

Seit Jahren wird in Landau genau hingeschaut

„Wir haben unsere Kläranlage ganz bewusst für diese Forschung geöffnet“, sagt Dr. Markus Schäfer, Leiter der Abteilung Abwasser beim EWL. „Denn künftige Anforderungen, etwa zur Entfernung von Schadstoffen, lassen sich besser bewältigen, wenn wir früh wissen, welche Verfahren technisch funktionieren und sich auch im täglichen Betrieb bewähren.“

Die langjährigen, in kurzen Zeitabständen durchgeführten  Untersuchungen machen Landau mit dem so entstandenen Datenbestand zu einem besonderen Forschungsstandort. Denn Mikroplastik lässt sich nicht mit einer einzelnen Stichprobe verlässlich erfassen: Die gemessenen Mengen können von Probe zu Probe deutlich schwanken. Erst die kontinuierlichen Messungen über mehrere Jahre lassen belastbare Aussagen zu.

Gleichzeitig dienen die regelmäßigen Untersuchungen in der Landauer Kläranlage auch dazu, die konkrete Probenahme und Auswertung weiterzuentwickeln. Ziel sind standardisierte Verfahren, mit denen sich Mikroplastik schneller, vergleichbar und mit vertretbarem Aufwand erfassen lässt. „Die bei uns in Landau erprobten Abläufe können auch andernorts eingesetzt werden, damit reicht der Nutzen der Arbeit weit über die Stadtgrenzen hinaus“, betont Dennis Schober, Geschäftsführer der EWL-Tochter Kommunale Servicebetriebe Südpfalz GmbH (KSS), die vom EWL mit der Betriebsführung der Kläranlage beauftragt ist.

Vom Messen zum Entfernen

Auf der Kläranlage soll aber nicht nur untersucht werden, wie viel Mikroplastik im Abwasser steckt. Die Partner testen parallel auch, wie sich unterschiedliche Schadstoffe entfernen lassen. Das ist anspruchsvoll: Denn gelöste Spurenstoffe und feste Mikroplastikpartikel verhalten sich zum Beispiel sehr unterschiedlich und lassen sich deshalb nicht mit demselben Verfahren erfassen.

„Genau das macht die Versuche hier in Landau so spannend“, sagt Dennis Schober, der auch als Technischer Leiter bei der Wasser 3.0 gGmbH am Forschungsprozess beteiligt ist. „Wir können direkt in der Praxis auf unserer Kläranlage beobachten, wie sich verschiedene Verfahren miteinander verbinden lassen und wie sie unter realen Betriebsbedingungen funktionieren. Das ist etwas anderes als ein Versuch im Labor.“

Im europäischen Forschungsprojekt UPSTREAM ist Landau einer von fünf Demonstrationsstandorten. Die Landauer Besonderheit: Nur hier kommen drei Bausteine zusammen – die schnelle Erkennung von Mikroplastik, die Entfernung von Mikroplastikpartikeln und die Behandlung gelöster Schadstoffe. So wird in Landau erprobt, wie eine künftige Abwasserreinigung Synergien bei unterschiedlichen Stoffgruppen erzeugen kann.

Erkenntnisse aus Landau wandern weiter

Dass die Arbeit in Landau nicht auf den Standort beschränkt bleibt, zeigt sich bereits heute. Die hier entwickelten und erprobten Vorgehensweisen fließen in wissenschaftliche Untersuchungen und europäische Forschungsprojekte ein. Messprotokolle aus Landau wurden bereits auf andere Standorte übertragen, etwa auf der griechischen Insel Mykonos. Die langjährige Datenreihe hilft zudem dabei, unterschiedliche Verfahren und Ergebnisse besser miteinander zu vergleichen.

Auch mit Blick auf neue europäische Vorgaben gewinnt diese Erfahrung an Bedeutung. Die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie rückt die Überwachung von weiteren Stoffgruppen, wie etwa Spurenstoffen und Mikroplastik, stärker in den Fokus. Die Mitgliedstaaten müssen sie bis Ende Juli 2027 in nationales Recht überführen. Welche konkreten Anforderungen daraus für einzelne Kläranlagen entstehen, wird sich mit der Umsetzung zeigen.

Für den EWL steht deshalb vor allem der praktische Erkenntnisgewinn im Vordergrund. „Wir beschäftigen uns heute mit Fragen, die Kläranlagen künftig stärker betreffen werden“, sagt Markus Schäfer. „Dass Erfahrungen aus Landau dabei auch an anderer Stelle weiterhelfen, ist für uns ein wichtiger Teil dieses Projekts.“

Autor/in: Dr. Markus Schäfer
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